Wie soll ich meine Seele halten
Die Zeit der schönen Träume ist vorbei. Vier oder fünfmal erwachte ich in dieser Nacht, nassgeschwitzt und weinte. Ich weiß nicht, ob es die Bitterkeit der Träume oder der kreisende Schmerz in den Zähnen war, weshalb ich immer wieder hochfuhr aus meiner Zuflucht in den dunklen Armen des Schlafes.
Ich hatte sie angerufen, denn sie schrieb davon, wie sehr sie mich vermisse. Aber das Hoffen ist vergebens. Da ist Liebe, aber da ist kein Begehren. Und ihr Begehren war immer nur ein flackerndes, zaghaftes, nie wirklich begehrliches Begehren. Sie sagt: Das muss man doch akzeptieren! Wir haben es doch versucht! Und ich weiß, dass sie recht hat. Wir sind einander so viel, aber ohne die körperliche Liebe können wir niemals das leben, was wir uns füreinander wünschen. Mir ist, als würde ich allein unser Begehren tragen. Und sie trägt allein den Mut, diesen Zustand für uns zu beenden.
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu anderen Dingen?
Ach gerne möchte ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
(R.M. Rilke)
Ich hatte sie angerufen, denn sie schrieb davon, wie sehr sie mich vermisse. Aber das Hoffen ist vergebens. Da ist Liebe, aber da ist kein Begehren. Und ihr Begehren war immer nur ein flackerndes, zaghaftes, nie wirklich begehrliches Begehren. Sie sagt: Das muss man doch akzeptieren! Wir haben es doch versucht! Und ich weiß, dass sie recht hat. Wir sind einander so viel, aber ohne die körperliche Liebe können wir niemals das leben, was wir uns füreinander wünschen. Mir ist, als würde ich allein unser Begehren tragen. Und sie trägt allein den Mut, diesen Zustand für uns zu beenden.
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu anderen Dingen?
Ach gerne möchte ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
(R.M. Rilke)
Fee am See - 4. Nov, 19:21