Loslassen können...so mit Leichtigkeit, so schwupp und weg und tralala und grazil davonspringen. Großzügig Abschied gewähren, dankbar einfach weitergehen. Mein Verstand tut ja alles, aber das Gefühl legt sich quer, greint und jammert und quietscht elendiglich, weil es weggezerrt werden soll, wo es doch bleiben möchte. Die Hoffnung, dass am Ende doch noch alles gut wird, reagiert beleidigt: "Was! Ich halte hier alles aufrecht. Ich glaube an die Liebe, wie kannst du daran rütteln!" "Aber sieh doch mal, die Realität", versuche ich dem entgegenzuhalten. Und die Hoffnung, die solange alles ausgeblendet hat, erschrickt ziemlich. "Komm", sag ich, "du als Hoffnung wirst das doch können, die Flügel ausbreiten und weit werden, nicht anhaften und festkleben an der Liebe zu diesem einen Menschen, der nun mal nicht da sein will. Ich brauch dich, Hoffnung, jetzt ganz besonders, aber eben anders!"
Fee am See - 16. Nov, 19:59
War versunken in meine buchhalterischen Hausübungen, da spürte ich plötzlich ein Ziehen im Herzen und habe mich tatsächlich für einen winzigen Augenblick gefragt, warum ich eigentlich gerade solchen Schmerz empfinde. Ich hatte es wirklich für einen Moment vergessen! Erstmals kann ich heute auch Wut empfinden. Obwohl ich ein härteres Wort wählte, als ich in Gedanken mit ihr sprach. Ich hasse dich, sagte ich da. In Gedanken nur. Immerhin erlaube ich mir das jetzt. Und weil es so gut tat, hab ich es gleich den ganzen Nachmittag und Abend über wiederholt: ich hasse dich! Mir fällt ja genug ein in meiner Fassungslosigkeit darüber, dass sie mich tatsächlich verlassen hat. Ich komme mir dumm vor, weil ich so sehr an ihr hänge, weil ich immer noch will, dass sie wiederkommt, obwohl es mir mit ihr schon so viele Monate nicht gut gegangen ist. Aber...in den leichteren Momenten, wenn die tiefe Kränkung über die Zurückweisung und der Schmerz über den Verlust der vielen guten Dinge mit ihr etwas nachlassen, dann weiß ich, dass auch jetzt etwas Gutes geschieht. Ich kann erkennen, was mich hält, was mich ausmacht, was mir wirklich etwas bedeutet.
Fee am See - 12. Nov, 20:55
Brav trabte das Hündchen an meiner Seite durch die schwedischen Hallen. Wartete geduldig bis ich mich endlich für einen herbstfarben-bunten Teppich entschieden hatte, schnupperte hingebungsvoll an den Schaffellen, ließ sich da und dort loben und streicheln und hat vor allem gut darauf aufgepasst nicht von einem dieser großen Einkaufswagen überfahren zu werden!
Die Herzeleidzeit hat auch etwas Gutes: nahezu unbeeindruckt gegenüber dem Massenauftrieb der glücklichen Paare, der süßen und noch süßeren Kleinen, aber auch gegenüber dem Gezänke und Gekeife der weniger süßen Paare und ihren weniger glücklichen Kindern, bin ich durchs Heile-Welt-Paradies geschwebt. Irgendwie abgeklärt, irgendwie schicksalsergeben. Das erste Kapitel im wiedergekehrten Single-Dasein lautet: Auch allein bin ich vollständig.
Fee am See - 9. Nov, 20:19
Frau Mutter treffen mit gemischten Gefühlen. Irgendwo doch ein bißchen Freude, jedoch mit Schutzschild gewappnet gegenüber ihrem Desinteresse und der penetranten Weltbelehrung. Es ist ja nur für ein Mittagessen. Danach zur Belohnung für allen Kummer zu Ikea fahren und einen Teppich erstehen.
Fee am See - 8. Nov, 10:43
Fee am See - 5. Nov, 20:42
Die Zeit der schönen Träume ist vorbei. Vier oder fünfmal erwachte ich in dieser Nacht, nassgeschwitzt und weinte. Ich weiß nicht, ob es die Bitterkeit der Träume oder der kreisende Schmerz in den Zähnen war, weshalb ich immer wieder hochfuhr aus meiner Zuflucht in den dunklen Armen des Schlafes.
Ich hatte sie angerufen, denn sie schrieb davon, wie sehr sie mich vermisse. Aber das Hoffen ist vergebens. Da ist Liebe, aber da ist kein Begehren. Und ihr Begehren war immer nur ein flackerndes, zaghaftes, nie wirklich begehrliches Begehren. Sie sagt: Das muss man doch akzeptieren! Wir haben es doch versucht! Und ich weiß, dass sie recht hat. Wir sind einander so viel, aber ohne die körperliche Liebe können wir niemals das leben, was wir uns füreinander wünschen. Mir ist, als würde ich allein unser Begehren tragen. Und sie trägt allein den Mut, diesen Zustand für uns zu beenden.
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Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu anderen Dingen?
Ach gerne möchte ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
(R.M. Rilke)
Fee am See - 4. Nov, 19:21
Eine böse Entzündung hat sich in meinem Unterkiefer festgesetzt. Die Zahnbeinhautentzündung von vor drei Wochen war anscheinend nicht ganz ausgeheilt. Nachdem ich es zwei Tage mit anderen Mitteln versucht habe, nehme ich nun doch Antibiotika. Eine Mischung aus Schmerz, Müdigkeit und Benommenheit umwabbert mich.
Ich denke jede Minute des Tages an M und nachts träume ich davon, wie wir zusammen sind und die Realität ist vollkommen ausgeblendet. Ich vermisse sie unendlich. Meine ungewisse Arbeitszukunft macht mir ziemlich Sorgen.
Damit ich nicht vollkommen in dieser betrüblichen Lage untergehe, hier die Liste der schönen Dinge in meinem Leben:
- die (wieder trockene und warme) wunderschöne Wohnung mit Blick ins Grün und ins Blau
- der Chor, in dem ich seit einigen Monaten singe: singen macht tatsächlich glücklich
- die Freundinnen, ganz besonders die Allerbeste: Begleiterinnen durchs Leben
- meine so liebenswerte, sanfte kunterbunte Hündin: ich bin so dankbar, dass ich sie hab
- die Wandergruppe und das Putzrudel
- die blogs, die ich regelmäßig lese und die Menschen dahinter, die mich auf diese Weise an ihren Gedanken, Interessen und so manchem Erleben teilhaben lassen
- die Ausbildung, die ich gerade begonnen habe und die mich hoffentlich einmal ernähren wird
- das Buch, das ich gerade lese (und die vielen, die ich noch lesen werde)
- die Natur da draußen: Quelle von allem
Fee am See - 1. Nov, 17:46
Zusammenzählen sollte man nur die guten Dinge. Die Unglücke hingegen lasse man jedes für sich stehen, damit es nicht ein großes schwarzes Ganzes wird. Dass meine Firma keine Aufträge mehr hat und ich demnächst meinen Job verliere, passiert nun wahrhaftig zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Fee am See - 29. Okt, 15:33